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Das Migros Museum fuer Gegenwartskunst zeigt vom 29. August bis zum 8. November 2015 die Ausstellung der beiden koreanischen Kuenstler MOON Kyungwon; JEON Joonho with Urban-Think Tank: News from Nowhere: Zurich Laboratory;MOON Kyungwon; JEON Joonho, El Fi

Das Migros Museum fuer Gegenwartskunst zeigt vom 29. August bis zum 8. November 2015 die Ausstellung der beiden koreanischen Kuenstler MOON Kyungwon; JEON Joonho with Urban-Think Tank: News from Nowhere: Zurich Laboratory;MOON Kyungwon; JEON Joonho, El Fin del Mundo, 2012, 2 channel HD film, 13:35 min. Courtesy the artists and Gallery Hyundai, Seoul.

Best Practice

Migros-Kulturprozent – eine Kultur des Kulturförderns

Sechs Thesen zur Zukunft der Kulturförderung von Hedy Graber, Leiterin Direktion Kultur und Soziales, Migros-Genossenschafts-Bund Zürich

Eine quantitative und eine qualitative Umfrage, die das Migros-Kulturprozent kürzlich durchgeführt hat, belegen den hohen Stellenwert der Kultur für die Schweizer Bevölkerung. Welche Rolle sollen private Kulturförderer in der Gesellschaft übernehmen? Eine überwiegende Mehrheit der Befragten antwortet, dass private Unternehmen auch auf diesem Gebiet ihre Verantwortung wahrnehmen müssen. Sie müssen sich engagieren und dürfen Kulturförderung nicht einfach der öffentlichen Hand überlassen. Denn Kultur wird von der breiten Bevölkerung als zentral für den Zusammenhalt und die Entwicklung der Gesellschaft angesehen. Sechs Thesen zeigen auf, was diese Aussagen für die Zukunft der Kulturförderung bedeuten.

1. These: Kulturförderung gestaltet heute das Morgen

In der Kulturförderung werden zumeist Projekte unterstützt und realisiert, die noch nicht fertig entwickelt und deren Inhalte und Formen noch nicht endgültig ausgearbeitet sind. Sie unterstützt heute etwas, was erst morgen sein wird und braucht deshalb eine besondere Affinität für Zukunftsfragen
und Antizipation. Ist ein Projekt heute erfolgreich, gilt es bereits jetzt zu fragen, warum ein Nachfolgeprojekt auch in Zukunft erfolgreich sein könnte. Dazu braucht es Kenntnis der maßgeblichen Entwicklungen in Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

Derartige strategische Ausrichtungen sind geprägt durch Offenheit für Neues, durch Innovationsorientierung. Innovationen verlangen viel Wissen, neue Assoziationen, Gespür sowie rationale und emotionale Intelligenz: nicht detailverliebtes Faktenwissen, sondern die Fähigkeit, selbstständig mit Wissen
umzugehen, eigenes Selbst- und Weltverstehen zu entwickeln. Innovationen setzen deshalb unternehmerisches Engagement voraus. So versteht sich auch das Migros-Kulturprozent. 

Da die Kultur selbst ein offenes und zur Antizipation fähiges System ist, hat sich die Kulturförderung auch in dieser Hinsicht stetig zu wandeln und sich den Veränderungen in der Welt des Kulturschaffens und des  ulturkonsums anzupassen. Das bedeutet nicht, dass Kulturförderung jedem Trend und jeder Mode nachrennen und dazu permanent neue Förderinstrumente entwickeln muss. Aber sie muss offen sein für neue Fragestellungen und Dringlichkeiten, die aus der Kultur selbst kommen.

Kulturförderung muss zudem immer auch die Voraussetzung zur Rezeption von Kultur mitbedenken und hat deshalb auch einen Vermittlungsauftrag. Vermittlung heißt, Mittel und Wege zur Verfügung zu stellen, die den Menschen einen eigenständigen Zugang zu und Umgang mit Kultur ermöglichen. 

Kulturförderung kann nicht alles fördern, sonst fördert sie am Ende nichts. Sie hat sich deshalb immer auch der Frage zu stellen, was sie explizit nicht fördert, was sie ausschließt. Im Falle des Migros-Kulturprozent führt die Zukunftsorientierung dazu, dass all das, was von der öffentlichen Hand im Bereich des Bewahrens von Kultur geleistet wird, nicht zusätzlich unterstützt wird.

2. These: Stärken stärken

Kulturförderung heißt immer auch, Position zu beziehen, gewisse Dinge zu tun und andere nicht zu tun. Die Komplementarität von «eigenen» Projekten und die Vergabe von Förderbeiträgen sind heute und in Zukunft Teil des Erfolgsrezepts des Migros-Kulturprozent. Die breite Verankerung in allen Regionen der Schweiz und die nationalen Großprojekte ergänzen sich. Breit aufgestellt und sowohl volksnah wie auch pointiert, verfügt das Migros-Kulturprozent über eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. Es stiftet nicht nur Sympathie für die gesamte Migros, sondern trägt auch zu deren Unternehmenswert bei.

Die nationalen Großprojekte werden konzipiert, weil sie eine Leistung erbringen, die in dieser Art nicht existiert. Diese Stärken gilt es zu fördern. Gerade Großprojekte mit viel involviertem Wissen, langfristigen Planungsabläufen
und einer gewissen Tradition müssen sich weiterentwickeln, sonst verkommen sie zur ritualisierten Wiederholung
des Ewiggleichen. Das über die Zeit der Projektgeschichte erworbene fachspezifische Wissen ist dabei zentral, muss aber permanent mit Wissen über Querschnittthemen und neue Entwicklungen angereichert werden, damit aus solchen Verbindungen neue Akzente und entsprechende Projekte entstehen können.

3. These: Relevanz heißt das Zauberwort

In der Kulturförderung ist das Verhältnis von Innovation zu Tradition und Grundwerten stets zu bedenken, und dabei kann die private Kulturförderung auf den Bereich der Innovation fokussieren. Der bereits mehrheitsfähige Mainstream ist deshalb nicht im Fokus der Kulturförderung des Migros-Kulturprozent. Vielmehr geht es
darum, Kultur als offenes Wertesystem zu fördern, als Ort in der Gesellschaft, an dem Fragen verhandelt werden können. Kulturförderung ist auch ein Einstieg in offene Prozesse: Private Kulturförderung kann Fragestellungen
zu Kultur und Gesellschaft vorantreiben mit dem Ziel, erste Erfahrungen zu sammeln. Dabei stehen nicht theoretische Konstrukte im Vordergrund, sondern praxisorientierte Beispiele. Die Frage, ob etwas überhaupt Kunst ist, wird möglicherweise erst Dekaden später zu bewerten sein.

Kulturförderung betreibt eine Auslese. Permanent stellt sich die Frage, was gestärkt werden soll, was relevant ist, was heute in den Systemen von Kultur gedacht werden soll und was eine Wirkung in der Gesellschaft entfalten könnte.

Eine Kultur der Kulturförderung zu entwickeln, bedeutet deshalb auch, Kriterien für die Frage nach der Relevanz der eigenen Förderaktivitäten zu haben und diese einem permanenten Kritik- und Weiterentwicklungsprozess
zu unterziehen. Für das Migros-Kulturprozent gilt es, den Brückenschlag zwischen Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft weiter voranzutreiben. Auf der Ebene der Kultur und von deren Inhalten bedeutet es, eine Offenheit und Sensibilität für neue Entwicklungen zu haben. Dies gilt insbesondere für neu entstehende künstlerische Praxen, die mit schöner Regelmäßigkeit durch die Kriterienraster einer etablierten Förderpraxis fallen. Es gilt aber auch für neu entstehende Kulturformate und Kulturorte, Letztere gekennzeichnet durch eine zunehmende Flexibilisierung und Abkehr von etablierten institutionellen «Heimaten». Auf der Ebene der Vermittlung geht es letztlich um die Frage nach den Rezeptionsbedingungen von Kultur: Wie wird sich das Kulturpublikum in Zukunft entwickeln, und können mit Mitteln der Kulturförderung allenfalls gezielte Schritte zur Entwicklung eines Kulturpublikums gemacht oder unterstützt werden? Und wo und wann wird im Zeitalter der Digitalisierung und des individualisierten Datenzugriffs in Zukunft Kultur noch konsumiert werden? In virtuellen oder in flexiblen Räumen, in etablierten Institutionen oder in Pop-up-Kulturräumen?

All diese Fragen lassen sich nicht abschließend beantworten, aber sie öffnen einen Raum, der auch ein Raum ist für kulturelle Entwicklungen und der genutzt und bewohnt werden will. Eine Kulturförderung, die Relevanz erzeugen will, stellt sich diesen Fragen und arbeitet mit an der Findung von Antworten.


4. These: Geld allein macht nicht glücklich

Zahlreiche öffentliche und private Institutionen fördern kulturelle Projekte mit finanziellen Beiträgen. Das Migros-Kulturprozent offeriert neben finanziellen Mitteln auch Vernetzungen und fachspezifisches Wissen.
Diese Dienstleistung wird als Selbstverständlichkeit angeboten und von Kulturschaffenden wie auch vom Publikum gerne wahrgenommen. Ein derartiges Förderverständnis impliziert die Bereitschaft, ein Stück Kontrolle über die Inhalte von unterstützten Projekten an die Kulturakteure zurückzugeben. Es spiegelt das Vertrauen in die Eigeninitiative all derjenigen, die kulturell tätig sind.

5. These: Die Schweiz ist keine Oase

Da die Migros ein nationales Unternehmen ist, konzentrieren sich die Aktivitäten des Migros-Kulturprozent auf die Schweiz. Gerade deshalb ist es wichtig, die große weite Welt nicht aus den Augen zu verlieren. Die Förderung
von Künstlerinnen und Künstlern muss sich daher immer am Kriterium orientieren, eine internationale Karriere zu ermöglichen. Kultur entsteht nicht innerhalb von Landesgrenzen, sondern dort, wo Reibung, Austausch und Begegnung stattfinden.

6. These: Reden wir darüber

Das Migros-Kulturprozent ist heute eine «wichtige Selbstverständlichkeit». Gerade deshalb ist es wichtig, die Wahrnehmung durch eine inhaltliche Profilierung zu stärken. Nicht teure Marketingkampagnen, sondern
im Zeitalter von Social Media relevante Kommunikationskanäle werden genutzt, um den gesellschaftlichen Mehrwert sichtbar zu machen, der durch die Förderung durch das Migros-Kulturprozent entsteht.
So verstehen wir Kulturkommunikation sowohl als Kommunikation der Kultur wie auch als Kultur der Kommunikation. Denn eine Kultur der Kulturförderung kann nur gedeihen im Modus einer permanenten,
öffentlich sichtbaren und transparenten Selbstreflexion. Attraktiv, zukunftsweisend und auf ein breites Publikum ausgerichtet, leistet die Kulturförderung der Migros auch in Zukunft einen wichtigen Bestandteil zum
gesellschaftlichen Zusammenhalt.

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