
Authentizität und Wahrhaftigkeit, die richtige Mischung aus konsequentem Durchgreifen und dem einfühlsamen Umgang mit den Stärken und Schwächen der Mitarbeiter sind in Zeiten der Krise und radikaler Umwälzungen mehr denn je gefragt.
Prof. Manfred Harnischfeger, einer der profiliertesten und kenntnisreichsten Kommunikationsmanager und Medienexperten in der deutschen Wirtschaft und Prof. Gernot Schulz, langjähriger Berliner Philharmoniker und international gefragter Dirigent haben zukunftsorientierte Workshopformate zur Entwicklung einer neuen Führungskultur entwickelt. Unternehmer, Vorstände, Geschäftsführer und Führungskräfte in gehobenen Stabs- und Linienfunktionen lernen ohne musikalische Vorkenntnisse, basierend auf den Handlungs- und Führungsprinzipien Authentizität und Vertrauen, ein Orchester zu dirigieren. Hans-Conrad Walter von der Agentur Causales hat Harnischfeger und Schulz in Berlin getroffen.
Walter: Lieber Herr Prof. Harnischfeger, lieber Herr Prof. Schulz, die Betriebswirte unter den Führungskräften in Deutschland werden staunen. Ein neues Führungsprinzip, dessen Grundlagen aus dem Kulturbetrieb kommen, wird die Führungskultur in Unternehmen verändern? Prinzipiell galt doch in den letzten Jahren die Erkenntnis, dass die Kultur von der Wirtschaft lernen muss, erfolgreich zu sein und nicht die Wirtschaft von der Kultur.
Harnischfeger: Aus Krisen erwachsen nur dann Chancen, wenn die Bereitschaft entsteht, Altes neu zu bedenken und neu zu betrachten, auch die Frage, wer von wem was lernen kann. Was die Organisation und das Marketing betrifft, so kann das private Unternehmertum den kulturellen Institutionen sicherlich Einiges an Anregungen bieten. Aber das Wesen der Kultur und ihre Kernbotschaften sind in hohem Maße dazu angetan, die Führungskultur weiter zu entwickeln.
Walter: Ökonomische und soziale Veränderungen in unserer Gesellschaft stellen gerade Führungskräfte in Wirtschaft, Verwaltung, Politik, kulturellen und sozialen Organisationen vor neue Herausforderungen. Welche wesentlichen sozialen Schlüsselkompetenzen können gute Führungskräfte neben ihrer Fachkompetenz in diese Veränderungsprozesse einbringen?
Harnischfeger: Respekt vor Menschen, Glaubwürdigkeit, Authentizität, die Fähigkeit zu kommunizieren, sich als Mitglied einer sozialen Gemeinschaft zu begreifen und einzubringen, wird nach dem Scheitern des „Kapitalismus pur“ stärker in den Vordergrund rücken.
Walter: Mit ihrem Workshopformat „Dirigieren und Führen“ bieten Sie Führungskräften an, auch nach langjähriger Berufserfahrung ihre Kunst des Führens spielerisch zu vervollkommnen. Niemand muss Kenner klassischer Musik sein, um von der Arbeit mit einem Korrepetitor am Klavier und einem Orchester zu lernen und wesentliche Impulse für das eigene Führungsverhalten zu bekommen. Die Teilnehmer dirigieren ein Orchester ohne die Partituren zu kennen?
Schulz: Zu Beginn unseres Workshops pflege ich immer zu sagen: „Genießen Sie es, jetzt etwas tun zu dürfen, wovon Sie keine Ahnung haben können.“ In der Tat sind musikalische Vorkenntnisse keinesfalls erforderlich. Mit einem relativ einfachen und schnell zu lernenden Instrumentarium können Sie ein Orchester in die richtige Richtung dirigieren. Was aber letztlich dabei herauskommt, hängt davon ab, wie Sie, bestimmt von Ihren persönlichen Eigenarten und Ihrem persönlichen Führungsstil dieses Instrumentarium einsetzen.
Walter: Sie bieten offene und geschlossene Workshops an – allerdings nur an wenigen ausgewählten Tagen im Jahr für einen kleinen, exklusiven Personenkreis und einzelne Gruppen. Wodurch unterscheiden sich Ihre Workshopangebote von den klassischen Manager-Seminaren?
Harnischfeger: Es gibt einen großen Weiterbildungsmarkt. Wir sehen uns nicht als Teil dieses Fortbildungs- und Seminargetümmels. Unser Angebot ist singulär und sehr speziell, da es – in konzentrierter und dennoch gelöster Atmosphäre – die seltene Gelegenheit der Eigenwahrnehmung des Führens bietet.
Walter: Eine faszinierende und einfache Methode ohne überstrapazierte Werteund Identifikationspredigten und ohne abgegriffenes Management-Vokabular. Welche konkreten Nutzendimensionen eröffnen sich den Teilnehmern und den Unternehmen durch das Workshopformat „Dirigieren und Führen“?
Schulz: Das Orchester spiegelt Ihr Führungsverhalten direkt und unverfälscht. Sie können das selbst wahrnehmen, ohne auf Beurteilungen Anderer oder auf einen Coach angewiesen zu sein. Oberflächliches Motivationsgetue, Aktionismus oder Effizienzgetöse erledigen sich von selbst, denn durch die Erfahrungen dieses Workshops schärfen Sie Ihren Sinn für das Wesentliche der Menschenführung.
Walter: Herzlichen Dank für das Gespräch
Prof. Manfred Harnischfeger gilt als einer der profiliertesten und kenntnisreichsten Kommunikationsmanager und Medienexperten in der deutschen Wirtschaft. Seine Kernkompetenzen und Erfahrungen liegen auf den Gebieten CEO-Positionierung, Krisenkommunikation und Change Management. Harnischfeger war in leitenden Stabs- und Linienfunktionen des international erfolgreichen Medienunternehmens Bertelsmann tätig und Mitbegründer des privatwirtschaftlichen Rundfunks in Deutschland. Der gelernte Zeitungsjournalist arbeitete u.a. ehrenamtlich für die Europäische Kommission in Brüssel und die UNESCO in Paris und leitete einen Beraterkreis für Öffentlichkeitsarbeit bei Bundespräsident Herzog. Harnischfeger war zuletzt verantwortlich für die globale Kommunikation des Konzerns Deutsche Post DHL, Bonn. Seine persönlichen Interessen liegen auf dem Gebiet der Musik. Er hat eine Professur am Institut für Medien- und Kulturmanagement der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg inne.
Prof. Gernot Schulz langjähriger Berliner Philharmoniker, von Karajan und Bernstein geförderter Musiker und Pädagoge, ist heute ein international gefragter Dirigent. Er startete noch während seiner Zeit als Berliner Philharmoniker und Hochschulprofessor in Hamburg seine internationale Dirigentenkarriere. Er war Assistent von Leonard Bernstein und Georg Solti, dirigierte u.a. die Berliner Philharmoniker bei einem Multimedia- Projekt von Sony, spielte CD´s ein, u.a. bei Sony Classical, und ist ein gern gesehener Gast bei zahlreichen Festivals und renommierten Orchestern in Europa, Südamerika und Asien. Seine erfolgreichen Karrieren sowohl als Orchestermusiker als auch als Pädagoge und Dirigent prädestinieren ihn dafür, das Wesen der interaktiven Prozesse zwischen Dirigent und Orchester zu vermitteln.
Weitere Informationen: www.dirigierenundfuehren.com
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