
In der niederländischen Stadt Groningen wurde 1994 das „Groninger Museum“ in einem Neubau wiedereröffnet. Mit dem Museumsneubau, zentral gelegen gegenüber dem Hauptbahnhof, hatte das Museum die Chance sich neu zu positionieren und sich dem Publikum mit einem neuen Erscheinungsbild zu präsentieren. Nach einem Entwurf des Architekten und Designers Alessandro Mendini wurde das Gebäude verwirklicht und mit außergewöhnlichen Ausstellungsflächen verschiedener Gastarchitekten versehen. Das Design des Gebäudes mit dem zentralen goldenen Turm wurde schnell zum Markenzeichen des Museums.
Unter der Leitung des Museumsdirektors Kees van Twist hat sich das Groninger Museum über die letzten Jahre als unkonventionelles, modernes Museum profiliert und sich kulturell-unternehmerisch aufgestellt. Von viktorianischer Kunst mit der Ausstellung „J.W.Waterhouse“ bis hin zum „Deutschen Expressionismus 1905 – 1913“ zeigt das Museum eine Vielfalt von publikumswirksamen Ausstellungen. Darüber hinaus bietet das Museum aber auch jungen, regionalen Künstlern die Möglichkeit ihre Werke einem breiten Publikum zu präsentieren.
Sehr geehrter Herr van Twist, Sie sind nunmehr seit elf Jahren Direktor des Groninger Museums und haben maßgeblich dazu beigetragen das Museum in den Niederlanden, aber auch in der internationalen Museumswelt, zu etablieren. Was macht neben der vielseitigen Programmatik den Erfolg des Museums aus und was ist das Markenzeichen des Groninger Museums?
Das Groninger Museum hat seinen Status durch viele nationale und internationale Ausstellungen erlangt, die sich an ein interessiertes, breites Publikum richten. Dabei ist die Architektur im Außen- wie auch Innenbereich eine Besonderheit. Die Marke Groninger Museum steht für Qualität und auch die Ausstellungen werden auf hohem Niveau organisiert. Beim Publikum waren vor allem die Ausstellungen zu Ilja Repin, Russischen Märchen, J.W. Waterhouse und Serrano beliebt. Aber auch nationale/niederländische Künstler wie Folkert de Jong und Anton Corbijn haben das Publikum angezogen. Auch Ausstellungseröffnungen durch internationale Größen wie Michail Gorbatsjov, Tarja Halonen (Präsident Finnlands), Bono und Joan Collins wurden von einem großen Publikum verfolgt. Das Groninger Museum ist bekannt für den besonderen Charakter seiner Ausstellungseröffnungen.
Durch den großen Besucherandrang der letzten Jahre wurde das Gebäude stärker abgenutzt als erwartet und war deshalb für Renovierungsarbeiten vom 12. April bis zum 18. Dezember 2010 geschlossen. Setzen Sie nach der Modernisierung auf das gleiche Erfolgsrezept?
Ja, das Programm wird auch weiterhin sehr vielfältig sein. Wir besitzen viele verschiedene Sammlungen und werden diese auch weiterhin neben den internationalen Ausstellungen zeigen. Wir eröffnen im Dezember mit einer großen Ausstellung zum Thema „Das Unbekannte Russland – Malerei 1850 – 1920“.
Diese Ausstellung ist auf ein breites Publikum ausgelegt. Darüber hinaus wird die Silbersammlung im Starck Pavillon glänzen und auch die anderen Säle werden mit Objekten aus dem eigenen Bestand bestückt. Die Sammlung umfasst antike Artefakte, Silber, Porzellan, zeitgenössische Kunst und Installationen, Gemälde aus dem 17. und 18. Jahrhundert, Werke der niederländischen Künstlervereinigung „De Ploeg“, Designobjekte, Mode und Fotografie.
Unter Ihrer Leitung wurde auch die „Stichting Fonds Kunst en Economie“ (Stiftung Fonds für Kunst und Wirtschaft) gegründet. In diesen Fonds zahlen Unternehmen, aber auch die öffentliche Hand Gelder ein, die für die Verwirklichung großer Ausstellungen im Museum genutzt werden. Welche Unternehmen beteiligen sich zurzeit an dem Fonds und wie gelingt es Ihnen, große Unternehmen vom Nutzen dieser Private Public Partnerships zu überzeugen?
Persönlicher Kontakt von Seiten der Direktion, um den Enthusiasmus für das Museum zu vermitteln – das ist wichtig. Man muss ebenso deutlich machen, dass das Museum eine soziale Funktion hat und als Plattform für Meinungsbildung fungieren kann. Darüber hinaus wirken sich steigende Besucherzahlen auch positiv auf den ökonomischen spinoff für die gesamte Region aus. Die folgenden Unternehmen unterstützen zurzeit den Fonds: Buchhandel Van der Velde B.V., Bos & Bos Catering, De Haan Anwälte & Notare, Groningen Seaports, Koninklijke Wagenborg BV, Koop Holding, Rabobank, RWE, TCN Groningen, TKP Pensioen B.V., UMCG (Universitätskrankenhaus Groningen). Weitere unterstützende Parteien sind: SNN, die Gemeinde Groningen und die Provinz Groningen.
Der Fonds funktioniert als Revolving Fund, das heißt Unternehmen, die in den Fonds einzahlen, bekommen nach Ablauf einer erfolgreichen Ausstellung die Rendite nicht ausgezahlt, sondern der Gewinn fließt zurück in den Fonds. Unternehmen erhalten keine direkte materielle Rendite. Warum lohnt es sich dennoch für sie in den Fonds des Museums einzuzahlen?
Gerade weil das Museum für Qualität und hohes Niveau steht. Damit wollen auch die Betriebe assoziiert werden. Darüber hinaus helfen auch der Status des Museums und der hohe Bekanntheitsgrad Unternehmen zu gewinnen. Denn große Unternehmen möchten Betriebe unterstützen, die nicht nur wichtig sind für Kunst- und Kulturinteressierte, sondern auch zur kulturellen Bildung beitragen regional, national aber auch international.
Mit einer Studie des Marktforschungsbüros Vandertuurk haben Sie schon einmal nachgewiesen, dass die Umwegrentabilität des Groninger Museums hoch ist: Innerhalb der letzten fünf Jahre ergab sich ein Mehrwert mit Zusatzeinnahmen von 11,8 Millionen Euro für die Region Groningen. Denken Sie, dass nach der Modernisierung noch höhere Besucherzahlen erreicht werden – was sich auch positiv auf den gesamten Standort auswirken würde?
Absolut! Das Museum wird ausgebessert und erneuert. Einige Räumlichkeiten werden von international bekannten Designern wie Jaime Hayon, Studio Job und Maarten Baas neu ausgestattet. Außerdem entwirft Alessandro Mendini neue Kacheln für die Verkleidung des Mendinipavillons. Das Museum bekommt ein brandneues Informationszentrum mit neuartigen, modernen Techniken. Die Entwürfe für diesen Raum stammen von Ijsfontein. Es wird ein sehr ausgefallenes, modernes Informationszentrum mit einem vielfältigen digitalen Bildungsangebot entstehen, welches zusammen mit den spannenden Ausstellungen einen Ausflug zum Groninger Museum sicher lohnenswert macht.
In Deutschland ist „Kultureller Unternehmergeist“ noch nicht so ausgereift wie in den Niederlanden. Das Groninger Museum hat diesbezüglich eine Vorreiterrolle eingenommen und gezeigt, dass Kunst und Wirtschaft sehr gut kooperieren können. Was können wir also von unseren Nachbarn hinsichtlich des wirtschaftlichen Denkens im kulturellen Sektor lernen?
Für das Groninger Museum ist es besonders wichtig, online aktiv zu sein und die aufkommenden „Social Media“ zu nutzen. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Instituten, Organisationen und Museen ist wichtig. Eine essentielle Grundlage für das erfolgreiche Umsetzen der Grundidee dieses Museums ist die Unterstützung sowohl von Subventionsgebern als auch Sponsoren. Ohne Subventionen und Sponsoring ist das Erfüllen des Anliegens unmöglich. Wir hoffen, dass wir durch unsere Mission, Vision und Strategie im Bereich Ausstellungen, Bildung und PR/Marketing weiterhin national und international erfolgreich bleiben.
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