
Alle zwei Jahre veranstaltet das Migros-Kulturprozent das Intercity-Festival Steps – das größte Festival für zeitgenössischen Tanz in der Schweiz. Ein unverwechselbares Merkmal des Festivals ist seine dezentrale Struktur. Steps verteilt den Tanz beinahe flächendeckend in der ganzen Schweiz. Während drei Wochen touren zwölf internationale Tanzcompagnien durchs Land und bespielen die unterschiedlichsten Bühnen – von Staatstheatern, alternativen Kulturhäusern bis zu Mehrzweckhallen in der Provinz. Neben den rund 90 Vorstellungen organisiert das Festival Workshops für Schüler und Tanzschaffende sowie ein Fachsymposium. Das Festival erreichte im Frühling 2010 bei seiner 12. Ausgabe 28.000 Besucher.
Für die Programmierung zeichneten sich während der letzten sechs Ausgaben Isabella Spirig und Samuel Wuersten verantwortlich. Letzterer ist gleichzeitig Direktor der Tanzakademie Rotterdam und Leiter des Holland Dance Festivals. Das Programm berücksichtigt die Vielseitigkeit und das breite Spektrum von Formen und Stilrichtungen im zeitgenössischen Tanz sowie dessen neue Tendenzen. So findet man narrativ ausgerichtete Kreationen, eher neoklassische Produktionen wie auch zeitgenössische Experimente und Uraufführungen. Bei der 12. Ausgabe 2010 präsentierte Steps die wegweisenden Choreografien von José Limón aus den 1950er Jahren, wie auch die brandneue Produktion von Sidi Larbi Cherkaoui und Damien Jalet, die nur wenige Tage nach der belgischen Uraufführung durch die Schweiz reiste, noch bevor sie auf den großen Festivals in Paris oder Berlin zu sehen war.
Steps ist eine Eigenproduktion des Migros-Kulturprozent und damit ein integraler Teil der Migros, dem größten Detailhändler der Schweiz und seinen zehn regionalen Genossenschaften. Der Grundstein dieses außerordentlichen Engagements legte der Firmengründer Gottlieb Duttweiler vor über 50 Jahren, als er in den Statuten verankerte, dass sich ein Unternehmen im Verhältnis zu seiner wirtschaftlichen Bedeutung für die Gesellschaft einsetzen muss. Duttweiler hat früh erkannt, dass ein Handelsunternehmen seine Kunden nicht nur mit Gütern, sondern auch mit Geist glücklich machen kann. Wie Duttweiler in den 1930er Jahren mit seinen Lastwagen die Lebensmittel direkt zu den Verbrauchern brachte, bringt auch Steps 80 Jahre später den Tanz ins Land. Mit einem Großisten kann auch die Funktionsweise des Festivals verglichen werden: Steps verpflichtet in der ganzen Welt die besten Tanzproduktionen, organisiert mit ihnen Tourneen durch die Schweiz und „verkauft“ die einzelnen Vorstellungen stark vergünstigt wiederum an die regionalen Theater und Veranstalter. Dazu organisiert Steps Begleitveranstaltungen und sorgt mir einer landesweiten Werbekampagne für die nötige Aufmerksamkeit.
Dank der landesweiten Verbreitung und der Zusammenarbeit mit 40 lokalen Veranstaltern ist um Steps herum ein einzigartiges Netzwerk gewachsen, das Künstler, Veranstalter und Kulturbehörden gleichermaßen verbindet. Die reibungslose Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Kulturanbietern und privaten Kulturförderern ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. Das Festival steht jeweils unter dem Patronat des schweizerischen Innenministers, der in seinem diesjährigen Grußwort besonders das grenzenüberwindende Element von Steps würdigte.
Kernstück der Festivalorganisation ist neben der künstlerischen Leitung in erster Linie die Logistik. Für die zwölf Tourneen werden jeweils 150 Visa beantragt und ca. 3.000 Hotelübernachtungen in 30 Orten gebucht. Allein der Aufwand für Transport und Technik ist immens. Dank dem Effort und der Willensleistung von Steps erfreuen sich die Einwohner von Steckborn, einer kleinen ländlichen Gemeinde am Bodensee, ebenso an erstklassigen Tanzaufführungen, wie das Publikum in Chiasso im Süden des Landes. In der vielsprachigen Schweiz gelingt es der nonverbalen Kunstform die Sprachbarrieren zu überwinden und das Land über den Tanz zu verbinden.
Die nächste Ausgabe von Steps wird am 19. April 2012 Premiere feiern. Die Vorbereitungen dafür haben schon vor Abschluss der letzten Ausgabe begonnen. Immerhin gilt es, den individuellen Bedürfnissen der 30 veranstaltenden lokalen Partnern zu entsprechen. Einige von ihnen sind längst dabei, ihre Spielzeit 2011/2012 zu planen. Für sie wird heute konzipiert, was in zwei Jahren auf der Bühne strahlen wird.
Weitere Informationen unter www.steps.ch
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